Als mich die Diskokugel das erste Mal überrollte
Teppichgeschäfte können betäubend langweilig sein. Vor allem, wenn man ein neunjähriges Mädchen ist. Genauso ging es mir vor vielen Jahren: Meine Eltern stöberten in dem nicht enden wollenden Sortiment gähnend langweiliger Teppiche. Meine ältere Schwester zeigte auch schon fleißiges Interesse. Ich: nörgelte.
Als meine Schwester mein Gejammere nicht mehr ertrug, drückte sie mir die Ohrstöpsel ihres Walkmans in meine Kinderohren, den Walkman selbst in meine Kinderhand. Was dann geschah, kann man nur als Überrollen eines kleinen Mädchens mit einer Diskokugel beschreiben. Sonderbare Töne schienen von rechts nach links durch meinen Kopf zu jagen. Und zurück. Andere rhythmischere Töne hämmerten rechts und links zugleich in die Ohren. Eine sehr weibliche Stimme sang dazu in einer unbekannten Sprache. Was mich hätte erschrecken können, tat es nicht. Statt dessen: Ich war begeistert. Begeistert von Madonna.

Ein Foto von meiner damals elfjährigen Schwester, ihre Arme mit schwarzen und pinken Madonna-Armbändern geschmückt, ließ mich erkennen: 1985 muss es gewesen sein. Und wenn mich mein Musikgedächtnis nicht trügt, war eines der Lieder, die durch meine Ohren sausten: Holiday.
Auch heute noch kann Madonna mich mit ihrem Disco-Fieber anstecken.
Gut gelesen?

Kommentar von Bernweich
Dienstag (20. Mai 2008) @ 14:56
Sehr schön, wenn man so in Erinnerungen schwelgen kann. Hab ich mit Begeisterung gelesen!