Radio Soulwax - Part of the weekend never dies

By Mausmarke at 10:05 pm on Donnerstag (16. Oktober 2008)

Schlagzeug, Gitarre und ein Bass. Schön. Das klassische Rock’n’Roll-Equipment. Seit ein paar Jahren schickt es sich, neben dieses herkömmliche Werkzeug Endstufen, Synthesizer und alles möglich an anderen Gerätschaften mit möglichst vielen Knöpfen zu stellen. Gerätschaften mit denen elektronische Musik gemacht wird.

Dabei kommt in derzeit sehr vielen Fällen sehr feine Musik heraus. Vorreiter und nach wie vor doch irgendwie die Referenz ist da LCD Soundsystem. Mit dieser Band begann auch meine Vorliebe für den Elektro-Rock. Tracks wie Daft Punk is playing at my house sind schon fast Klassiker dieses Musik-Genres.
Mittlerweile gibt es einige ebenfalls sehr gute Bands, die diesem Stil erfolgreich nacheifern. Alle mit meist sehr harten, aber extrem gut tanzbaren Rhythmen im Gepäck. Und eben gepaart mit typischen Elementen aus der Rockmusik. Aus dieser Riege sind wohl derzeit die französischen Justice am erfolgreichsten. Das Duo hat den gleichen Manager wie Daft Punk. Musikalisch näher an Daft Punk und nur noch mit sehr reduzierten Rockelementen sind Digitalism aus Hamburg. Die Liste kann um etliche weitere Namen erweitert werden. Simian Mobile Disco darf da zum Beispiel nicht fehlen.
Chris Clark oder The Two Lone Swordsmen.
Und: Soulwax. Beziehungsweise, nicht ganz Soulwax. Aber dazu gleich mehr.

Die Rechnung mach Sinn

Die Band hatte ich nach ihrem eigentlich ziemlich guten Album Much against everyone’s advice beispielsweise mit Conversation Intercom aus den Augen verloren. Am Rande hatte ich noch von ihrem Projekt 2 Many DJs mitbekommen.
Soulwax + 2 Many DJs = Radio Soulwax

Das Ergebnis dieser Mischung ist Elektrorock vom wirklich allerfeinsten. Die zwei Dewaele Brüder und Bandkollegen vermischen hier Songs aus ihren alten Rockertagen (vom Album Any Minute Now) und ihre Passion für elektronische Musik.
Mit diesem Unternehmen war die Band also unter dem Namen Radio Soulwax auf Welttourne. Will man einen Tonträger käuflich erwerben, bekommt man eine DVD mit einem Dokumentarfilm zu dieser Tour gleich mitgeliefert. Audio CD und DVD sind in einem sehr schönen Kartonschuber vereinigt:
Radio Soulwax – Part of the weekend never dies

Zu Samples, Bassbrettern, Drummachines und sonstigen Knöpfchen-Dreh-Frickl-Soundeffekten kommen also noch entsprechende Konzertbilder von Gigs rund um den Planeten. Schreiende Asiaten auf dem Fuji Rock oder wirre Radiomoderatoren irgendwo in Südamerika. Aber vor allem: großartig flirrende und dichte Bilder von den Auftritten der Band. Ekstatische Massen. Der Fuß zuckt sofort, um den ersten Schritt in Richtung Registratur zu machen.
Lieder wie KracK (ein Übersong, der lange bei mir bleiben wird), Slowdance oder Miserable Girl sind Kracher. Ohnehin. Live-Aufnahme katapultieren sie noch mal ein gehöriges Stück nach vorne. Ständiges Mitwippen und Kopfgenicke, Händeklatschen, begleitet von leisen „Uh Yeahs“ stellen sich beim Genuß von Radio Soulwax schnell ein.
Scheibe der Bewegung

Was vor allem klar wird: Die Szene des Elektro-Rock ist gewachsen und eng verbandelt. Die Dokumentation ist unterfüttert mit Kommentaren und Interviews von anderen Größen aus der Branche.
Der mops-fidele (im wahrsten Sinne des Wortes) James Murphy, seines Zeichens Chef von LCD Soundsystem, plaudert bei einer Tasse Kaffee über die Brüder Dewaele. Seine Bandkollegin Nancy Whang erklärt, wie es zur Kollaborationsarbeit NY Excuse kam. Die beiden Herren von Justice gestehen ein, sich hier und da bei Soulwax für ihr eigenes Werk bedient zu haben. Der Sänger von The Kooks beschreibt Soulwax als die Band, die ihn erst für elektronische Musik empfänglich gemacht hat.

Mit der DVD hat der Trend Elektrorock ein erstes ,auf einen Datenträger gebranntes, Manifest. Die CD ist seit zwei Wochen auf Platz 1 meiner Rotationsliste. Schramml bis Frickl in Reinkultur.

Weiter unten: Einige Perlen des Genres auf YouTube

Radio Soulwax - KracK



LCD Soundsytem - Tribulations

Justice - Waters of Nazareth


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