Können wir uns einigen? “Heureka” von Tomte
“Hinter all diesen Fenstern” von Tomte war mein Rettungsanker im Jahr 2003, aber 2006 war dann mit “Buchstaben über der Stadt” alles etwas schal geworden. Zugegeben, nach wie vor tolle Songs wie “Ich sang die ganze Zeit von Dir”, “New York” oder “Was den Himmel erhellt” … aber irgendwie nicht mehr die große Offenbarung. Und die überbordende Positivität des werten Herrn Uhlmann, die ich an und für sich sehr schätze, war ein klein wenig zuviel des Guten geworden.
Dementsprechend nüchtern waren meine Erwartungen, was das neue Album “Heureka” anging. Zwar gewohnt reflexartig bei Amazon bestellt, aber ohne rechte Vorfreude, wie es letztes Mal der Fall war. Wohl gerade deshalb hatten Thees Uhlmann und seine Mannen (Max Martin Schröder jetzt am Schlagzeug, außerdem ein Keyboarder als festes zusätzliches Bandmitglied) nicht sonderlich viel zu verlieren bei mir. Ob ihnen das nun geholfen hat, was mein Urteil angeht … wer weiß. Jedenfalls: das neue Album ist gut.
Der Titelsong “Heureka” beginnt mit Thees-Genuschel, dann setzt ein Klavierlauf ein. Sowas sollten die öfters machen, dann macht sich auch der Keyboarder bezahlt (insgesamt ist nämlich das Klavier immer noch eher spärlich vertreten, was schade ist). Jedenfalls ein ordentlich nach vorne gehender Rocker mit sehr präsentem Schlagzeug – cool, da geht was.
Die nächsten beiden Songs, “Wie ein Planet” und “Der letzte große Wal” (letzteres die aktuelle Single), sind beides sowohl musikalisch als auch textlich gute Stücke, verfehlen bei mir aber bislang den großen Effekt. Woran‘s liegt? Wohl an mir. Bei beiden Stücken fehlt mir ein wenig die Melancholie und damit ein wichtiger Gänsehaut-Faktor. Das dürfte aber wohl Geschmackssache sein.
Die gerade noch als fehlend beklagte, dezente Schwermütigkeit finden wir aber beim darauffolgenden Song. Für mich das nächste Highlight nach dem Eröffnungsstück und eine perfekte Mischung aus Melancholie und Spritzigkeit: “Wie sieht’s aus in Hamburg?”. Vielleicht dem einen oder anderen ein wenig zu einfach gestrickt, aber deshalb umso mehr ein runder Pop-Song mit wunderschöner Melodie und Zweistimmigkeits-Gänsehaut im Refrain. Gerade angesichts der luftigen Poppigkeit relativ schnell überhört, aber dann freut man sich doch immer wieder, wenn es kommt.
Es geht weiter mit “Voran voran”, das mit vier schlichten, mehrmals wiederkehrenden Worten endlich dem gerecht wird, wofür ich Tomte so schätzen gelernt habe: große Wahrheiten in scheinbar banalen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Thees singt “Können wir uns einigen?”, und ob der wunderschönen musikalischen Untermalung dieser Textzeile entgeht einem beinahe, dass diese wenigen Worten die Quintessenz jeglichen Beziehungsmiteinanders darstellen.
An achter Stelle auf dem Album dann ein weiteres Highlight. “Und ich wander” schlendert buchstäblich vor sich hin. Bass und Drums treiben das Lied gemächlich, aber mit Nachdruck vor sich her, während die Gitarre quirlig und dennoch zurückhaltend für das sommerabendlaue Ambiente sorgt. Eine echte Empfehlung, und irgendwie für Tomte so ungewohnt entspannt.
“Du bringst die Stories (Ich bring den Wein)” ist schön und gut im besten Sinne. Kein Aufreger, aber eine charmante Liebeserklärung an das Miteinander. Dann der wohl längste Songtitel von Tome ever: “Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören”. So lang der Titel, so episch der Song. Sehr ausladend mit sehr viel Ruhe am Anfang und einem großen Finale am Ende. “Alles, was Du brauchst, findest Du bei mir” … sehr schön.
Man kann es wohl rauslesen: sehr viel Gutes dabei, aber auch einiges, was keinen Nobelpreis verdient. Insgesamt ein wirklich gutes Album von Tomte, wie ich es nicht erwartet hätte. Allerdings auch keine Offenbarung wie “Hinter all diesen Fenstern” … doch die kann es wohl auch nur einmal geben.
Kommentar von Mausmarke
Sonntag (16. November 2008) @ 18:02
Da hat sich aber mal jemand Gedanken zu einem Album gemacht. Gut! Das Album kenne ich allerdings gar nicht;-).